INLANDSREISEZIELE
2006
Bayern und Ostsee:
Die Sieger der Saison
Im
inländischen Wettbewerb gibt es zwei eindeutige Sieger -
im doppelten Sinn: Sie sind einmal die beliebtesten deutschen
Ferienregionen. Und sie weisen zugleich die höchsten Zuwachsraten
auf. Die Sieger der Saison 2006 heißen Bayern (7,7%) und
Ostsee (7,4%). Erst mit größerem Abstand folgen die Urlaubsgebiete
an der Nordsee (4,9%) sowie die baden-württembergischen Fe-rienregionen
im Schwarzwald und am Bodensee (3,1%).
Nordseeküste
und Nordseeinseln bekommen die Konkurrenz der Ostsee-Ferienanbieter
in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein immer mehr
zu spüren. Andererseits bleiben die Gäste an der Nordsee im
Durchschnitt länger (11,7 Tage) als in den übrigen deutschen
Feriengebieten (z.B. Bayern und Ostsee: je 10,8 Tage). Hier
können die Wellen in den nächsten Jahren noch höher schlagen.
Opaschowski: „Das Interesse der deutschen Urlauber verlagert
sich zunehmend auf die beiden Kontrastangebote Meer und Berge.
Alle übrigen innerdeutschen Feriengebiete haben Schwierigkeiten,
ihr Eigenprofil zu demonstrieren.“ Urlaub ist immer auch Kontrast
und Gegenwelt zum urbanen Alltag. Das Kontrasterleben und der
Wunsch nach Tapetenwechsel zählen zu den wichtigsten Antriebskräften
für das Reisen.
AUSLANDSREISEZIELE
2006
Spanien bleibt Spitzenreiter.
Türkei ist der große Verlierer
Seit
Jahren stehen Spanien, Italien, Österreich und die Türkei
unangefochten an der Spitze in der Gunst der deutschen Urlauber.
Hier haben sich im vergangenen Jahr erstmals deutliche Verschiebungen
ergeben. Spanien (11,5%) bleibt Spitzenreiter vor Italien
(8,0%). Doch das Verfolgerfeld rückt immer näher.
Die
Auswirkungen der Vogelgrippe und der Karikaturenstreit haben
insbeson-dere der Türkei in der vergangenen Saison einen spürbaren
Einbruch beschert – von 5,1 Prozent aller deutschen Urlaubsreisenden
im Jahr 2005 auf 3,7 Prozent im vergangenen Jahr. Dabei wurde
die Türkei sogar von Griechenland (5,2%) überholt. So gesehen
gilt die Türkei als der große Verlierer der Saison 2006. Von
den Turbulenzen und Gästeverlusten waren auch Marokko, Tunesien
und Ägypten betroffen.
Zu
den Gewinnern zählt hingegen – neben Deutschland – vor
allem Griechenland (5,2%), das erstmals mit Österreich (5,2%)
gleichzieht. Eine überraschende Wende. Denn Österreich gehört
seit über dreißig Jahren – neben Spanien und Italien –
zu den drei beliebtesten Auslandsreisezielen. „Österreich
kann sich nicht mehr auf den traditionellen Urlauberbonus des
guten Nachbarn und der gleichen Sprache, der Gastfreundschaft
und der Gemütlichkeit verlassen“, so Professor Opaschowski.
„Urlauber stellen immer öfter Preisvergleiche an und machen
sich selbst zum Reiseveranstalter. Billigfluggesellschaften
und Internet-Reiseanbieter machen es möglich. Aus Pauschalreisen
von Veranstaltern werden Bausteinreisen in Eigenregie.“ Dies
erklärt auch die Zuwächse in den ehemals jugoslawischen Feriengebieten
(Kroatien, Slowenien u.a.), die mittlerweile mit Frankreich
(3,4%) gleichziehen (3,3%).
Unverändert
bleibt die Position der Fernreiseziele (2005: 11% - 2006: 11%),
wobei insbesondere asiatische Ziele um Thailand die Folgen der
Tsunami-Katastrophe in den Augen der deutschen Urlauber verloren
und wieder einen leichten Zuwachs zu verzeichnen haben (2004:
1,3% - 2005: 2,1% - 2006: 2,4%). Auch USA-Reisen stabilisieren
sich in der Gunst der deutschen Urlauber (2005: 2,3% - 2006:
2,7%). Ansonsten gilt weiter: Für Fernreisen braucht man –
neben dem nötigen Geld – vor allem Zeit.
Fernreisen
bleiben nach wie vor für die meisten Deutschen mehr Traum als
Wirklichkeit und stellen eher eine Ausnahme dar. Im vergangenen
Jahr haben mehr Deutsche Urlaub in Spanien (11,5%) gemacht als
in allen anderen Fern-reisezielen zusammen (10,7%). Der Fernreisemarkt
bleibt aus finanziellen Gründen nur eine attraktive Ergänzung
(und nicht etwa Alternative) zu den Inlands- oder mediterranen
Ferienzielen. Der ganz große Durchbruch lässt weiter auf sich
warten.
WM-Knick
im Sommer: Nachholbedarf im Herbst
Das
Institut ging im vergangenen Jahr der Frage nach, ob und wie
die Fußball-WM die Reiseentscheidung der Deutschen beeinflusst.
Die BAT Prognose lautete 2006: Der dramatische Einbruch findet
nicht statt. Eine Art Null-Summen-Spiel deutet sich eher an.
Was der Branche während der WM an Urlaubsgästen verloren
geht, wird nach Beendigung des Turniers schnell wieder ausgeglichen.
Beim Vergleich der Forschungsprognose mit dem tatsächlichen
Reiseverhalten der Deutschen kann in der Tat von einem Einbruch
des Reisegeschäfts nicht die Rede sein. Der WM-Knick verlief
relativ moderat. Und auch das Nachholbedürfnis der Reisenden
war feststellbar – allerdings mit Zeitverzögerung. Der
gute Sommer in Deutschland tat ein übriges, weshalb erst
ab September wieder deutliche Zuwächse registriert wurden.
Das
Urlaubsdilemma
Zwischen Zeit- und Geldnot:
Warum viele Bundesbürger nicht verreisen können
Die
Tourismusforschung weiß bisher fast alles über jene, die
verreisen. Über die Nichtreisenden, die gar nicht erst losfahren,
ist hingegen wenig bekannt – vor allem darüber, warum sie
nicht verreisen: Auf die Frage, warum sie keine Urlaubsreise
unternommen haben, weisen fast alle Nichtreisenden auf das
Dilemma zwischen Geld- und Zeitnot hin. 41 Prozent der Befragten
machen in erster Linie finanzielle Gründe verantwortlich.
Jeder Fünfte (20%) nennt ganz persönliche Gründe mit der
Begründung „Ich hatte anderes zu tun“ wie z.B. Do-it-yourself
im eigenen Haus. Das kann im Einzelfall auch ein Nebenjob
sein, um die Haushaltskasse aufzufüllen. Bei solchen motivationalen
Fragen stoßen Repräsentativumfragen erfahrungsgemäß auf
erhebungstechnische Grenzen. Wer beispielsweise als Hinderungsgrund
Geldmangel nicht nennen mag, weicht schnell auf andere Antwortmöglichkeiten
wie „persönliche Gründe“ oder „familiäre Gründe“
(16%) aus.
Bedenklich
ist allerdings die Tatsache, dass jeder siebte Nichtreisende
berufliche Gründe (14%) nennt und dabei auf den Urlaubsanspruch
verzichtet. Unter den Nichtreisenden hat fast jeder sechste
Arbeiter (16,3%) und mehr als jeder fünfte Freiberufler und
Selbstständige (22,1%) im letzten Jahr den Urlaubsanspruch
teilweise verfallen lassen. Und fast jeder fünfte Nichtreisende
(17,9%) gibt offen zu: „Ich wollte dieses Jahr einmal zu Hause
bleiben.“ Für den „Urlaub auf Bal-konien“ kann es durchaus
gute Gründe geben. Die positive Begründung dafür ist schnell
gefunden: Urlaub zu Haus ist Erholung ohne Stress und Staus.
Tourismusprognose
2007.
Optimistisch ins neue Reisejahr:
Über 70% der Deutschen wollen verreisen
4.000
Personen ab 14 Jahren wurden repräsentativ im gesamten Bundesgebiet
nach ihren Reiseabsichten für 2007 gefragt. Das Befragungsergebnis
überrascht: Es herrscht eine außergewöhnlich positive Urlaubsstimmung
vor. Offensichtlich wächst das Vertrauen der Verbraucher
in die nahe Zukunft wieder. Aufbruchstimmung ist angesagt.
Über zwei Drittel der Bevölkerung (70,7%) wollen im Jahr
2007 eine Urlaubsreise von mindestens 5 Tagen Dauer unternehmen.
Nur etwa jeder fünfte Bundesbürger (20,3% - im Vorjahr 2006:
22,1%) will auf jeden Fall zu Hause bleiben. Und jeder elfte
Befragte (9,0%) ist sich noch unsicher.
Opaschowski: „Die Deutschen wollen wieder mehr verreisen und
die Krisenstimmung der letzten Jahre hinter sich lassen. Reiselust
darf man wieder zeigen - wenn man sie sich leisten kann.“
Insofern kann es nicht überraschen, dass es trotz der überwiegend
positiven Grundstimmung ökonomische Ungleichheiten im Reisemarkt
auch weiter gibt. Der Anteil der Reiselustigen ist unter den
Höherverdienenden (über 2.500 Euro Haushaltsnettoeinkommen)
unverhältnis-mäßig höher (80,6%) als bei den geringer Verdienenden
mit einem Einkommen von unter 1.000 Euro (50,9%). Die soziale
Kluft bleibt bestehen.
Reiseziele
2007.
Spanien, Italien und Osteuropa:
Die Gewinner der Saison
Etwa
jeder vierte Bundesbürger (23,0%) mit festen Reiseabsichten
will 2007 Urlaub im eigenen Land machen. Alle anderen zieht
es in das europäische Ausland (47,1%) oder in außereuropäische
Länder (10,6%). Etwa jeder fünfte Befragte (19,2%) hat sich
hinsichtlich eines Reiseziels „noch nicht festgelegt.“
Das kann eine zusätzliche Chance für den Inlandsurlaub sein.
Spanien
wird sicher seine Spitzenposition unter den ausländischen Reisezielen
behaupten können (8,6%). Auch die Renaissance des Italien-Tourismus
setzt sich fort (6,9%). Österreich hingegen droht weiter an
Boden zu verlieren (4,5%). Die Urlaubsanbieter in den osteuropäischen
Ländern Ungarn, Tschechien und Polen (4,6%) sind dabei, Österreich
von dem angestammten Spitzenplatz zu verdrängen. Das hat es
in den letzten vierzig Jahren noch nicht gegeben. Osteuropäische
Reiseziele ziehen immer mehr deutsche Reisende an.
Attraktive
ferntouristische Ziele werden auch in der kommenden Saison USA
und Kanada (2,8%) sowie asiatische Länder wie China, Japan,
Indien und Thailand (2,0%) sein. Die Nachfrage nach nordafrikanischen
Ländern wie Tunesien, Marokko und Ägypten kann sich wieder
stabilisieren (2,0%). Alle übrigen Wettbewerber müssen ihre
Hoffnungen auf die Gruppe der noch Unentschlossenen setzen.
Urlaubformen
der Zukunft.
Urlauber schwimmen auf der Wohlfühlwelle:
Mehr Wellness- als Cluburlaub
Wie
in der gesamten Wirtschaft wird auch die Reisebranche mit
einem Anspruchswandel der Verbraucher konfrontiert. Während
der klassische Strand- und Skitourismus um seine Stammurlauber
kämpfen muss, ist der Urlaub mit Gesundheits-, Wellness-,
Sport- und Kulturangeboten zunehmend gefragt: Die Reisenden
wollen in wenigen Tagen möglichst viel erleben und genießen.
Gefragt sind kulturelle und kulinarische Attraktionen. Auch
der Gesundheitstourismus befindet sich im Aufwind – von
asiatischen Behandlungsmethoden über Thalasso-Therapien bis
hin zum Gesundheitstraining.
Das
BAT Institut ging daher in seiner Tourismusanalyse auch einmal
der Frage nach, für welche Urlaubsformen sich die Bundesbürger
in Zukunft besonders interessieren. Wo geht die Reise in den
Wunschvorstellungen der Deutschen hin? Ganz obenan in der Wunschliste
steht der Erholungs- und Wellnessurlaub (69%) in seiner entspannten
Form. Fast jeder zweite Bundesbürger (45%) nennt aber auch
den „Medical-Wellness-Urlaub“ mit gesundheitsorientiertem
und präventivmedizinischem Charakter. Professor Opaschowski:
„Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und einer
alternden Bevölkerung wird der Gesundheitstourismus zum touristischen
Megamarkt der Zukunft. Immer mehr Bundesbürger wollen auch
im Urlaub auf der Wohlfühlwelle schwimmen und etwas für die
eigene Gesundheit tun – auf die angenehme Art ohne Ge- und
Verbote.“ In Zukunft wird die persönliche Gesundheitsvorsorge
genauso wichtig wie die staatliche Gesundheitsversorgung sein.
Mit
der Gesundheitsorientierung im Urlaub unmittelbar verbunden
ist das Interesse am Berg- und Wandertourismus (38%) sowie Fahrradtourismus
(30%). Im Urlaub der Zukunft spiegelt sich eine Vielfalt von
Reiseformen wider, wie sie in früheren Jahrzehnten kaum möglich
war. Einzelne Bevölkerungsgruppen setzen dabei aber ganz unterschiedliche
Schwerpunkte:
- Jugendliche
können sich im Vergleich zu allen anderen Bevölkerungsgruppen
am meisten für den Club- und Abenteuerurlaub begeistern.
- Junge
Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren sind an Städtereisen,
Studien- und Bildungsreisen und auch am Campingurlaub besonders
interessiert.
- Familien
sind unter den Anhängern des Fahrradtourismus am meisten
vertreten.
- Und
die 50plus-Generation weiß schließlich den Berg- und Wandertourismus
besonders zu schätzen.
Opaschowski:
„So zeigt der Urlaub der Zukunft zwei Gesichter: Alle können
sich im Urlaub wie Individualisten fühlen. Und niemand muss
mehr zur gleichen Zeit am gleichen Ort das Gleiche tun.“ Im
Urlaub der Zukunft kann jeder seine eigenen Wege gehen.